Was ist Bonding?

Bonding

Was ist Bonding?

 

„Bonding ist Leben, Intimität ist Leben.“ - Walther H. Lechler  

 

Intimität, mit uns selbst und anderen ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Ein bewusstes Erleben und mitteilen von Gefühlen ermöglicht lebendige, aufrichtige Nähe zu uns selbst, wie zu anderen.

Und doch haben wir genau davor die größte Angst: uns zu zeigen und gesehen zu werden, mitsamt unserer Verletzlichkeit und den Anteilen von uns, die wir an uns selbst nicht mögen …

 

Der Begriff Bonding steht für ein überlebenswichtiges, menschliches Grundbedürfnis, welches wir regelmäßig in uns sättigen müssen, um seelisch gesund zu bleiben:

dem Bedürfnis nach emotionaler und körperlicher Nähe.  

 

In unserer heutigen Gesellschaft wachsen viele von uns in der Regel in einer Familie auf, in der sie materiell gut versorgt werden.

Wer bedingungslose Liebe erfährt kann sich glücklich schätzen. Viele lernen von klein auf, dass sie etwas tun müssen, um geliebt zu werden. Sätze wie „Sei ein braves Kind!“, „Wein doch nicht.“ „Ist nicht so schlimm!“ und „Ist doch alles gut!“ lehren uns, unsere Gefühle zu unterdrücken und das zu verleugnen, was wir eigentlich im Alltag brauchen um seelisch gesund zu bleiben und uns glücklich entwickeln zu können.

 

Im Bonding lernen wir, dass das Erleben von emotionaler und physischer Nähe und unsere Autonomie wichtige Bedürfnisse sind, die ihren Platz in unserem Leben haben.

Im Rahmen der Bondingtherapie rücken das Ausdrücken tiefer Gefühle, sowie das Spüren menschlicher Nähe wieder in den Vordergrund.

Mit Hilfe einfacher Übungen, können belastende Beziehungserfahrungen aus der Vergangenheit so verarbeitet werden, dass sie zur Ruhe kommen.

 

Dan Casriel, US-amerikanische Psychoanalytiker und Begründer der Bondingtherapie (auch bekannt als NIP „New Identity Prozess“), entdeckte in den 60er Jahren in der Arbeit mit Drogenabhängigen, wie sehr Menschen aufgrund ihres Defizits an Bonding-Erfahrungen seelisch erkranken und wie ein neues Erleben von emotionaler und physischer Nähe Menschen wieder zu einem seelischen Gleichgewicht verhelfen kann. Das Bedürfnis nach Bonding ist angeboren, genauso wie die Bedürfnisse nach Essen, Trinken und Schlaf, wie auch nach seelischen Bedürfnissen wie Bindung, Autonomie, Sicherheit, Selbstwert, Identität.

Im Laufe der letzten 50 Jahre hat sich die Bondingtherapie zu einer sanften Therapieform entwickelt, bei der Menschen mit Hilfe einer vertieften Wahrnehmung ihres Körpers und ihrer Gefühle, lernen, gut für sich zu sorgen. Das heißt, ihr Bedürfnis nach Nähe und Abstand situativ zu erfassen. Das führt zu einer gesunden Gestaltung ihrer Beziehungen.

 

Bonding hilft bei:

  • Depressiven Verstimmungen
  • Burnout
  • Schwierigkeiten in Beziehungen
  • Schwierigkeiten am Arbeitsplatz
  • Mangelnder Lebensfreude

 

Bonding stärkt

  • Die Kompetenz im Umgang mit Gefühlen
  • Die Selbstwahrnehmung, das Körperbewusstsein
  • Den Selbstwert, Die Beziehungs- und Bindungsfähigkeit
  • gesundes Abgrenzen und die Fähigkeit die eigenen Bedürfnisse auszudrücken
  • die eigene Klarheit, Wachheit und Lebendigkeit

 

 

Emotionale Nähe - Ein neuer Umgang mit unseren Gefühlen und Bedürfnissen

„Ich sehe die Menschen nicht als krank, sondern als unglücklich an. Ich weiß nun, dass wir uns selbst beibringen können glücklich zu sein.“  - Dan Casriel

 

„Sei doch nicht so emotional!“ oder „Reiß dich zusammen!“ sind oft gebrauchte Sätze. Sie fordern Menschen auf, ihre Gefühle zu kontrollieren, sie zu verstecken, gegen sie anzukämpfen und sie zu unterdrücken.

Wer mit seinen tiefen Gefühlen auf diese Weise umgeht, wird mit den Jahren müde und kraftlos. Bewusst oder unbewusst Gefühle im Zaun zu halten oder sich nur Ausweichgefühle (sekundäre Gefühle) zu gestatten, kann eine Zeit lang das Leben erleichtern, ist jedoch auf Dauer harte Verdrängungsarbeit, die ihren Hohen Preis hat:

Menschen stumpfen emotional ab, werden depressiv. Sie gehen immer auf Distanz, statt in die Nähe. Sie wehren ab, statt sich zuzuwenden. Sie meiden die Begegnung, die Berührung und vieles, was ihnen körperlich guttun könnte. „Sie verhungern am gedeckten Tisch“, wie Dan Casriel, der Begründer des Bonding, erkannt hat.

Was viele Menschen vergessen haben: Gefühle dienen als Wegweiser. Sie haben einen Platz im System des Gesundbleibens. Wer seinen Gefühlen im Leben einen Platz gibt und auf sie hört, weiß, was er wirklich braucht. Er kann dadurch gut für sich sorgen, Verantwortung übernehmen und einen Weg für ein bewussteres Leben einschlagen, in dem es ihm seelisch bessergeht.

Wer traurig ist muss seine Trauer zeigen dürfen, muss getröstet werden. Dann kann die Trauer mit der Zeit zur Ruhe kommen.

Wer Angst hat, braucht eine Person seines Vertrauens, um Geborgenheit zu erfahren und sich sicher zu fühlen.

Wer Wut hat, braucht ein Gegenüber, dem er seine Grenze zeigen kann, sodass er sich in seiner Autonomie geachtet fühlt.

 

Eine Lebenshaltung, die die Gefühle wieder in das eigene Leben integriert, muss von vielen neu gelernt werden. Das geht vor allem über eine vertiefte Körper- und Emotionalarbeit.

Und weil der Mensch die Summe seiner Lebenserfahrungen ist, kommt es darauf an, auch emotional prägende Lebensstationen anzuschauen.

Sich die eigene Gefühlswelt zu erschließen und das Leben danach auszurichten, macht es möglich das ganz persönliche Glück Schritt für Schritt selbst in die Hand zu nehmen und zu erfahren.

Bonding ermöglicht Gefühle in einem sicheren Rahmen zu fühlen und dadurch neue Erfahrungen zu machen – mit uns selbst, unseren Gefühlen und anderen Menschen.

 

 

Physische Nähe - Eine neuer Umgang mit anderen Menschen

 

„Wir brauchen vier Umarmungen am Tag, um zu überleben. Wir brauchen acht Umarmungen am Tag, um uns selbst zu versorgen. Wir brauchen zwölf Umarmungen am Tag, um erwachsen zu werden.“ - Virginia Satir

 

Bonding bedeutet, eine gesunde, körperliche Nähe zu anderen wieder zu erlernen. Von anderen gehalten werden.  

Wir alle sehnen uns nach Beziehungen und Körperkontakt mit anderen. Eine Umarmung, kann uns das Gefühl von Geborgenheit geben. Wenn uns jemand hält, können wir uns sicher fühlen. Eine Hand auf unserem Rücken, kann unheimlich beruhigend wirken.

 

Schon einmal etwas davon gehört, dass körperliche Nähe zu anderen das „Liebeshormon“ Oxytocin ausschüttet, sowie das Stresshormon Cortisol reduziert? Embryos nehmen ab der 8. Schwangerschaftswoche Berührung über die Haut wahr, Babys erhalten Sicherheit und Geborgenheit über haltgebenden Körperkontakt. Studien haben gezeigt, dass eine Reihe positiver Immunreaktionen durch Körperberührung ausgelöst werden.

 

Die Präsenz eines ehrlichen Gegenübers tut gut, gibt Sicherheit und das Gefühl von Halt. In diesem Rahmen gedeiht der Mut, sich Gefühlen gegenüber zu öffnen, die tief in einem schlummern und bisher nicht ans Licht kommen durften.

Dadurch entdecken wir eine Kraft, die nur in der Gemeinschaft menschlichen Zusammenlebens entstehen kann.

 

Ziel im Bonding ist es, dem Menschen zu helfen, im Einklang mit seinen Bedürfnissen zu leben, um dadurch ein Maximum an seelischem und körperlichem Wohlbehagen zu erlangen. Dank der Erfahrung einer wohltuenden Nähe mit einem anderen Menschen, öffnet der Körper den Zugang zu längst vergangenen verdrängten, schmerzhaften Beziehungserlebnissen. Diese alten Verletzungen können nun, mit der gezielten Begleitung eines erfahrenen Bondingtherapeuten innerlich neu durchlebt werden: Das Ausdrücken der damals unterdrückten Gefühle und der dazugehörenden körperlichen Reaktionen in Begleitung eines Menschen ermöglichen, eine damals sehr beängstigende Situation diesmal als überwindbar zu erleben. Dadurch kann eine alte Beziehungswunde zur Ruhe kommen. Die eigene Beziehungskompetenz wird über diese Erfahrung erweitert und zeigt dem Menschen einen neuen Weg, wie er seine zwischenmenschlichen Beziehungen befriedigend gestalten kann. Damit wird seine soziale und emotionale Kompetenz gestärkt. 

Die Erfahrungen im Bonding reichen weit über den Prozess hinaus und können in den Alltag integriert werden. Wir können spüren wie gut körperliche Nähe tut und wie es uns stabilisieren kann. Wir können lernen Berührung zu genießen und im Alltag bewusst danach zu fragen, auf andere Menschen zuzugehen. Uns von einem guten Freund in den Arm nehmen halten lassen, wenn uns alles zu viel wird …

 

Wie funktioniert ein Bonding – Prozess?

 

„Enges körperliches Vertraut werden mit einem anderen menschlichen Wesen ist die erste Erfahrung, die wir auf den Matten machen.“ (Von mir aus nennt es Wahnsinn)

 

 

Teilnehmer Bericht

 

Es folgt der Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin, die einen therapeutisch begleitenden Prozess erlebt hat:

Eine fremdartige Vorstellung zunächst: Auf einer Matte liegen, eine Hand auf dem Herzen, eine auf dem Bauch und einem anderen gestatten, sich obenauf zu legen.  Auch wenn es ein Familienmitglied ist, erst recht aber bei einem Fremden. Wer legt sich schon gerne vor „Publikum“, einem begleitenden Therapeuten oder einer Therapeutin aufeinander, denkt man.

Aber seltsam, wenn die Situation dann ansteht und zuvor gut vorbereitet wurde, hat sie nichts Peinliches oder Unangenehmes. Erstaunlich normal fühlt sich das an.

Man erfährt, meist zum ersten Mal im Leben, dass schon alleine die Wärme und Schwere eines anderen Körpers, die unbedingte Nähe eines anderen Menschen, selbst, wenn man den überhaupt nicht kennt und einen also nichts mit ihm verbindet, außer dass eben beide Menschen sind, etwas ungeheuer Anrührendes und Tröstendes, aber auch Befreiendes haben kann.

Besonders erstaunt war ich, dass ich das Gewicht des anderen nicht als bedrängende Beschwerung empfand, sondern eher als heilsamen Druck, der es möglich machte, sich ganz nach innen zu wenden. Es kam mir vor, als hindere die Schwere auf mir meine Gedanken und Gefühle, sich selbständig zu machen und zu „zerflattern“, sondern zwinge sie gleichsam zu größtmöglicher Konzentration. Es gab kein „Entrinnen“ über Bewegungen, Herumlaufen, Umsehen. Es gab nur einen Weg, den die aus den Tiefen kommenden Gefühle nehmen konnten. Den durch den Mund:

Man kann erzählen, auf Fragen antworten, herausschreien – und dabei ungeheuer viel Ballast abwerfen…

Wenn das, was da aufkommt, weh tut, tröstet die Wärme und Berührung des anderen und hilft über den Schmerz hinweg.

Die Fragen und Anregungen der Therapeuten unterstützen einen dabei, einen guten Weg für aufkommende Gedanken und Gefühle zu finden. Wie eine Hebamme nicht am Kind zieht, sondern ihm nur den Weg zeigt und damit das ans Licht kommen erleichtert, so wird auch beim Bonding nicht gezerrt und gezogen, sondern nur angeregt. Alles, was sich dabei äußert, kommt aus dem eigenen Inneren. Es war zuvor schon da, nur konnte es nicht hinaus.

Nichts wird hervorgerufen oder ans Licht gezwungen, was nicht schon im Inneren vorhanden war, nichts vorgeschrieben oder hineingegeben. Die Fragen oder Bemerkungen haben nichts Vereinnahmendes oder Bedrängendes, sie sind nichts weiter als Anregungen, Wegweiser, denen man freiwillig folgen kann oder nicht. Wenn nicht, wird man einen anderen, eigenen Weg finden, der aber in seiner Eigenheit durch dieselben Fragen und Bemerkungen erst eröffnet wurde.

Das was da ist, bekommt mit Hilfe des Bondings und der Therapeuten eine Chance, endlich heraus zu finden. Das ist alles.

Aber das reicht und kann ungemein befreien.

Bonding-Prozesse können in Einzelsitzungen oder in Gruppen stattfinden. Du suchst dir selbst aus, von dem du gehalten werden möchtest.

Ort:
Moltkestrasse 26
85356 Freising
Nächstes Treffen: bitte nachfragen

Informationen und Anmeldung

bei Cristina Candel

Tel: 08161 8620192
Email:
cristina2candel@gmail.com